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Datum: 25.02.2019

Sünde in Judentum und Christentum Das Theologische Forum Judentum - Christentum tagte in Verbindung mit dem Zentrum für Religion und Gesellschaft (ZERG) vom 19.-21. Februar zum Thema Sünde in beiden Religionen in Königswinter.

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Sünde in Judentum und Christentum

 

 

Sünde in Judentum und Christentum. Historische Perspektiven

 - Bericht zur Tagung -

In der Zeit vom 19.-21. Februar fand die 11. Tagung des Theologischen Forums Judentum - Christentum im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter statt. Die diesjährige Tagung (Organisationsteam: Proff. Dres. Rainer Kampling, Berlin; Wolfram Kinzig, Bonn; Clemens Leonhard, Münster; Susanne Talabardon, Bamberg) stand unter dem Titel Sünde in Judentum und Christentum. Historische Perspektiven.

Wolfram Kinzig (Bonn) begrüßte die Teilnehmenden, unter denen sich eine erfreulich hohe Anzahl an Studierenden befand, im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter. An wunderschön gelegenem Ort mit direktem Blick auf den Rhein stellten die Vortragenden, die aus ganz Deutschland gekommen waren, unterschiedlichste Aspekte der Behandlung von 'Sünde' in Judentum und Christentum dar. Zentral waren dabei u.a. Fragen, wie 'Sünde' in der jeweiligen Religion beurteilt wurde, wie man versuchte, sie zu vermeiden und wie man mit ihr umgegangen ist bzw. welche Folgen den 'Sünder' oder die 'Sünderin' erwarteten.

Traditionell stand zunächst die historische Perspektive im Vordergrund: Nach der Eröffnung der Tagung durch Rainer Kampling (Berlin) beschäftigte sich Johannes Schnocks (Münster) im ersten Vortrag mit der Sünde als Widerfahrnis und Aufgabe in Gen 4 und einigen Psalmen. Eine besondere Diskussionsgrundlage bot dabei die Konzeption von Sünde in Psalm 51: Der Psalm ist sowohl in jüdischer als auch in christlicher Liturgie in Bezug auf die Rechtfertigung des Sünders von Bedeutung. Cornelis de Vos (Münster) referierte über Juden, Christen und die Überschreitung der Torah, wobei er Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeitete. Christian Hornung (Bonn) bot mit dem Thema der Apostasie als Sünde in der Alten Kirche eine kirchenhistorische Perspektive. Eine judaistische Sicht präsentierte Nathanael Riemer (Potsdam), der Sünde und Tikkun in der jiddischen Moralliteratur thematisierte.

Nach den theologisch und ethisch orientierten Beiträgen bot Harald Wolter-von dem Knesebeck (Bonn) den Teilnehmenden die Möglichkeit, auch eine kunsthistorische Sichtweise kennen zu lernen (Sünde und Vergebung? Das Gleichnis vom verlorenen Sohn und sein Themenkreis in der spätmittelalterlichen Kunst). Markus Thurau (Potsdam) zog Linien in die frühe Neuzeit aus: Er stellte die kontroverstheologische Behandlung des Themas im 16. Jahrhundert in seinem Vortrag über Sünde als Thema des Konzils von Trient dar. Den Abschluss bildete Michael Roth (Mainz) aus systematisch-theologischer Perspektive über Sünde als Entzauberung der Welt und legte den Fokus dabei auf die Rede vom Sünder in der Gegenwart.

Auf die vielfältigen Vorträge folgten intensive Diskussionen und ein reger Gedankenaustausch, die auch durch den Abend hindurch weiterverfolgt wurden.

Clemens Leonhard (Münster), Susanne Talabardon (Bamberg) und Julia Winnebeck (Bonn) gaben den Teilnehmenden in verschiedenen Arbeitsgruppen zusätzlich die Gelegenheit, sich mit einem Aspekt des Themas tiefgreifender zu befassen. Auch hierbei wurde die Pluralität der Zugänge deutlich, die auf großes Interesse seitens der Teilnehmenden stieß. Die Grupp von Herrn Leonhard beschäftigte sich mit dem Thema der Sünde und Sündhaftigkeit in jüdischen und christlichen Liturgien, Frau Talabardon stellte Bußkonzepte im mittelalterlichen Sefer Chassidim in den Mittelpunkt, und Frau Winnebeck diskutierte mit ihrer Gruppe das Thema 'Menschentötung' im spätantiken und frühmittelalterlichen Christentum.

Die Abschlussdiskussion mit den Vortragenden fasste die aus den Vorträgen entstandenen Diskussionen und Gedankengänge zusammen und eröffnete zudem weitere Perspektiven für die künftige Arbeit am Thema.

Die Tagung wurde großzügig finanziell unterstützt durch die Fritz Thyssen Stiftung, das ZERG und die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn.

 

Henriette von Harnier

 

Sünde in Judentum und Christentum 2

 

 

 

 

 

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