"God and Murder. Literary Representations of Religion in English Crime Fiction"

Band 3
 
 
Spätestens seit den Tagen einer Dorothy Sayers hat sich herumgesprochen, dass "Religion" in Teilen der englischsprachigen Kriminalliteratur eine zentrale Rolle spielt. Seit dem Neuaufbruch dieses Genres in den 1970er Jahren, der mit Namen wie P.D. James verbunden ist, scheint das Phänomen angesichts der zentralen Bedeutung von Religion in der nordamerikanischen Popularkultur gerade in den letzten Jahren noch einmal an Brisanz gewonnen zu haben. Dennoch liegen erstaunlicherweise bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu vor, was seinen Grund wohl nicht zuletzt in methodologischen Schwierigkeiten hat, die nur durch einen umfassenden interdisziplinären Gedankenaustausch zwischen Literatur- und Kulturwissenschaften, Theologie, Kriminologie und Philosophie zu bewältigen sind. 
Ein solcher Austausch liegt dem vorliegenden Band zugrunde, der grundlegende Definitionsarbeit zur Thematik liefert: zu dem Zusammenhang von religiös konnotierten Schauplätzen und literarischen Techniken, von literarischen Charakteren und ihrer Repräsentation christlicher Religion, von der literarischen Fiktion des Kriminalromans und den literarischen Traditionen von Judentum und Christentum, zu dem Zusammenhang von Religion und tatsächlichen Kriminalfällen und ihrer literarischen und journalistischen Aufarbeitung sowie von gesellschaftlicher Konvention, christlicher Ethik und dem in der Kriminalliteratur reflektierten Kanon gesellschaftlicher und religiöser Normen. 
Ein Höhepunkt eigener Art ist der Beitrag von Baroness James of Holland Park (P.D. James), einer der prominentesten lebenden Autoren des Genres, die hier einen intimen Einblick in eine ganz bestimmte englische Tradition der Aufnahme von Religion im Kriminalroman gibt. 
Dem Buch gelingt damit ein seltener Brückenschlag zwischen akademischer Theorie und den Beweg- und Hintergründen literarischer Praxis.
 
Im Buchhandel erhältlich
Kinzig, Wolfram - Volp, Ulrich (Hrsg.) : God and Murder. Literary Representations of Religion in English Crime Fiction / Darstellungen von Religion in englischsprachiger Kriminalliteratur.
Studien des Bonner Zentrums für Religion und Gesellschaft.
Würzburg: Ergon-Verlag 2008. 192 S. - 170 x 240 mm. Festeinband .
ISBN: 978-3-89913641-8. EUR 34,00

Inhalt
Einleitung

Gislind Rohwer
Murder in Cathedrals – The Church as a Gothic Crime Scene in Peter Ackroyd’s Hawksmoor
Uwe Baumann
Pilgerreisen nach Canterbury in der modernen englischen Literatur
Uwe Baumann
Nuns, Friars, Priests and Monks as Detectives in Modern English Historical Mysteries
Torsten Verrel
Kriminologische Betrachtungen zu Mord und Religion
Volker Ladenthin
Am Anfang war der Mord – Detektivgeschichten und Religion
Wolfram Kinzig
Paradoxical Perpetrations – Whodunit and Theology
Ulrich Volp
„Suicide is a fine thing, quite often.“ – Überlegungen zu gesellschaftlicher Moral und christlicher Ethik im englischen Kriminalroman
Michael Roth
Ein Mord, den jeder begeht – Überlegungen zur Moral in der Detektivgeschichte
Kristian Fechtner
Spuren lesen – Eine praktisch-theologische Lektüre von P. D. James’ „Was gut und böse ist“
P. D. James
‘I wanted to know: Did Humpty Dumpty fall or was he pushed?’ Reflections on Religion and Crime Fiction. Transcript of a reading on 14 November 2006
in the Festsaal of the Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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