1. Forum Religionen in der Gesellschaft

Zwischen Bibelfundamentalismus und Kabbalistik: Die politische Theologie des Gusch Emunim

Öffentlicher Vortrag mit Podiumsdiskussion

 

4. Mai 2006
Festsaal, Hauptgebäude der Universität Bonn

 

 

Prof. Dr. Brumlik

Professor Dr. Micha Brumlik

Professor für Erziehungswissenschaften am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main



Podium 1. FRidG

 

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Professor Dr. Stephan Conermann  (ZERG-Mitglied)
Institut für Orient- und Asienwissenschaften, Universität Bonn

Professor Dr. Tilman Mayer (ZERG-Mitglied)
Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn

apl. Professor Dr. habil. Harald Suermann (assoziiertes ZERG-Mitglied)
Institut für Orient- und Asienwissenschaften, Universität Bonn

Moderation:
Professor Dr. Wolfram Kinzig (Sprecher des Vorstandes)
Evangelisch-Theologische Fakultät,
Abteilung für Kirchengeschichte, Universität Bonn

 

Der Vortrag befasste sich mit der religiös-politischen Bewegung Gusch Emunim (Block der Getreuen) im heutigen Israel.
Sie sieht in der Gründung des Staates Israel ein wesentliches Element für den Erlösungsprozess und widersetzt sich der Rückgabe besetzten Landes an Nicht-Juden. Die Ideologie der Bewegung fußt auf einem jüdischen Messianismus. Sie wurde 1974 nach dem Jom-Kippur-Krieg gegründet. Geistige Väter waren Rabbi Abraham Isaak Kook (1865-1935) und sein Sohn Rabbi Zvi Yehuda HaCohen Kook (1891-1982). Rabbi Abraham Isaak Kook war davon überzeugt, dass die Anhänger des säkulären Zionismus letztlich Werkzeuge in dem großen göttlichen Plan seien, das Volk aus dem 2000-jährigen Exil zu befreien und in das Heilige Land zu führen.
Seine Werke umfassen viele Gebiete jüdischer Philosophie und Mystik. Zu Lebzeiten wurde Rabbi Kook kaum zur Kenntnis genommen, erst sein Sohn machte sein Werk bekannt und radikalisierte seine Gedanken. Auf seinen Ansatz bezogen sich alle späteren geistigen Führer des Gusch Emunim.

Die Ideologie des "Blocks der Getreuen" bewegt sich zwischen Bibelfundamentalismus und Kabbalistik. Ihr zufolge muss das Heilige zu seiner Vollendnung durch das Unheilige gehen. In diesem Sinne sei auch der gottlose säkuläre Zionismus Teil des messianischen Erlösungswerkes. Dies sei mehrstufig und führe von der Erlösung des Landes über die Erlösung des Volkes zur Erlösung der Welt. Der israelische Staat sei eine Etappe auf diesem Weg. Das jüdische Volk sei von Gott auserwählt und habe entsprechend Sonderrechte und -gesetze. Vor allem habe es den absoluten Anspruch auf das Land.

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