Sie sind hier: Startseite Veranstaltungen Gastvorträge 2017

‚Gott ist stets der Richtige, allerdings immer für jemand anderen‘. (De-)Konstruktionen von Religion und Gott in Elfriede Jelineks „Abraumhalde“

Vortrag und Diskussion
mit Möglichkeit eines Theaterbesuches
und Nachgespräch vor Ort
 
Dr. Peter Clar
Assistenz-Professor an der Universität Danzig, Polen
 
Freitag, 23. Juni 2017
16 - 18 Uhr c.t.
HS XII, Universitätshauptgebäude
Am Hof 1, 53113 Bonn

 

PD Dr. Jochen Flebbe, Dr. Peter Clar, Charlotte Loesch, Prof. Dr. Albert Gerhards (v.l.n.r.)
 
 
Als „Ästhetik der Störung“ beschreibt die Literaturwissenschaftlerin Teresa Kovacs Elfriede Jelineks Konzept des ‚Sekundärdramas‘. Das dem Vorbild, im Fall von Abraumhalde unter anderem Lessings Nathan der Weise (scheinbar) nachgeordnete, (scheinbar) sekundäre Drama ‚stört‘ dabei sein Vorbild, zeigt darin vorhandene Brüche auf, dekonstruiert es. Zugleich mit der Dekonstruktion wird das Vorbild aber rekonstruiert, neu kontextualisiert, um- und weitergeschrieben, wie auch das ‚Sekundärdrama‘ von seinen Vorbildern (neben Nathan der Weise u.a. die Bergpredigt, Antigone oder die Eichmann-Protokolle) ebenso erschaffen wie ge-/zerstört wird.

Damit führt Elfriede Jelineks Abraumhalde konsequent fort, was auch andere ihrer Texte auszeichnet und was, oft ohne nähere Definition, als ‚Dekonstruktion‘ bezeichnet wird. Form und Inhalt sind dabei eng miteinander verbunden, nicht allein werden Drama und ‚Sekundärdrama‘ zugleich konstruiert und dekonstruiert, auch binäre Oppositionen wie Gott – Mensch, Mann – Frau, Autor_in – Leser_innen werden brüchig, lösen sich auf.

Im Vortrag des österreichischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Dr. Peter Clar zum Thema
 
‚Gott ist stets der Richtige, allerdings immer für jemand anderen‘.
(De-)Konstruktionen von Religion und Gott in Elfriede Jelineks „Abraumhalde“

wurde, ausgehend von einem Überblick über die dekonstruktive Schreibweise Jelineks, inklusive einer Annäherung an das Denkmodell der Dekonstruktion in den Lesarten Jacques Derridas und Paul de Mans, gezeigt, wie die Dekonstruktion in Jelineks Abraumhalde lesbar wird.

Das Zentrum für Religion und Gesellschaft (ZERG) der Universität Bonn hat in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Bonn und dem Evangelischen Forum Bonn herzlich zu diesem öffentlichen Vortrag mit gemeinsamer Diskussion eingeladen. Im Anschluss des Vortrags sollte es die Möglichkeit geben, die Theaterproduktion von Abraumhalde im Theater Bonn eigenverantwortlich zu besuchen. Nach der Theateraufführung sollte darüber hinaus zu einem Nachgespräch mit Schauspielern, Dramaturgen und dem Experten eingeladen werden. Die anschließende Vorstellung musste jedoch leider krankheitsbedingt abgesagt werden.
 



 Foto: Aleksandra Pawloff
 

Peter Clar

geboren 1980 in Villach, Kärnten, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Studium der Komparatistik, Spanisch und der Germanistik, seit 2015 Assistenz-Professor an der Universität Danzig, Polen. Von dessen Gründung 2004 bis 2012 Mitarbeiter des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen zur österreichischen Gegenwartsliteratur, vor allem zu Elfriede Jelinek, zuletzt: „Ich bleibe aber weg.“ Dekonstruktionen der AutorInnenfigur(en) bei Elfriede Jelinek* (Aisthesis, 2017). Mitbegründer von AKA – Arbeitskreis Kulturanalyse, seitdem im Vorstand des Vereins. Zu seinen vielen literarischen Arbeiten zählen unter anderen Nehmen Sie mich beim Wort (Sonderzahl, 2009), der mit der Autorenprämie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur für literarische Debüts ausgezeichnet wurde, und Alles was der Fall ist (Sonderzahl, 2011).
Artikelaktionen