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Prof. Dr. Mischa Meier

RV SoSe09 Mischa Meier und Kinzig

Montag, 11. Mai 2009
19:30 - 21:00 Uhr
HS 4, Hauptgebäude der Universität Bonn

Thema:
Pompeij und Antiocheia: Beispiele für den Umgang mit Katastrophen in
der römischen Kaiserzeit


Es werden exemplarisch zwei Katastrophen aus der Antike behandelt, die bereits bei Zeitgenossen besonderen Eindruck hinterlassen haben und die auch in nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder als Inbegriff schrecklicher Heimsuchungen galten: Der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr., der vor allem die Städte Pompeji und Herculaneum zerstörte, sowie die Brand- und Erdbebenkatastrophen zu Antiocheia in den Jahren 525-528. In beiden Fällen soll es nicht nur um die Rekonstruktion des Geschehens gehen, sondern auch um die Frage, wie die Menschen damit umgegangen sind, wobei sich aus der Tatsache, dass der Vesuvausbruch in einem pagan-antiken und die Antiocheia-Katastrophen in einem christlichen Umfeld anzusiedeln sind (und dies gilt auch für die schriftliche Überlieferung!), interessante Einblicke hinsichtlich Kontinuitäten und Brüchen zwischen der heidnischen und der christlichen Antike aus der Perspektive der Wahrnehmung und Deutung von Katastrophen ergeben.  Während bei der Bewältigung des Vesuv-Ausbruchs in der literarischen Reflexion (Plinius) deutlich Rückgriffe auf idealisierte Haltungen, wie die des tapferen Aeneas oder des stoischen Weisen erkennbar sind, das kaiserliche Katastrophen-Management ganz in den Bahnen der seit Augustus etablierten Muster funktionierte und über die Wahrnehmungsmuster der betroffenen Bevölkerung nur vereinzelte, ganz allgemeine Aussagen vorliegen, führen die Katastrophen in Antiocheia in christliche Milieus, in denen – ausgehend von der Annahme eines strafenden Gottes – religiöse Bewältigungstechniken in den Vordergrund treten (was wiederum auch aus der religiös aufgeladenen Überlieferung resultiert), die aber schließlich ihre ‚Wirksamkeit‘ einzubüßen scheinen und dadurch eine Gesellschaft am Rande des sozialen Kollaps zeigen.

Vortragender:
Prof. Dr. Mischa Meier ist Direktor der Abteilung für Alte Geschichte am Historischen Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Forschungs- und Interessenschwerpunkte sind: Archaisches und klassisches Griechenland (besonders die Geschichte Spartas), Geschichte der Spätantike (5. und 6. Jahrhundert n.Chr.), besonders des Oströmischen Reichs im 5./6. Jh., Ethnologische, anthropologische und volkskundliche Ansätze in der Alten Geschichte, Historische Katastrophenforschung, Antike Historiographie und Wirkungsgeschichte der Antike in Musik und Literatur des 19./20. Jahrhunderts sowie im Historienfilm.


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