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PD Dr. Uwe Rieske

RV SoSe2009 Uwe Rieske

Montag, 29. Juni 2009
19:30 - 21:00 Uhr
HS 4, Hauptgebäude der Universität Bonn


Thema:
Von der Annahme des Unfassbaren – Seelsorgerliche Erfahrungen im Projekt ‚hoffen bis zuletzt' nach dem Tsunami 2004

Unter den ca. 300.000 Opfern, die der Tsunami vom 26. Dezember 2004 an den Küsten des Indischen Ozeans forderte, waren auch 552 Deutsche. Von ihnen konnten 538 Opfer durch die Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamtes identifiziert werden. 14 Deutsche werden noch immer vermisst.
Den Angehörigen der Opfer, aber auch Überlebenden der Katastrophe, die teilweise schwer verletzt und traumatisiert aus der Unglücksregion zurückkehrten, wandten sich die Evangelische Notfallseelsorge und das Deutsche Rote Kreuz zu. Anfang 2005 wurde das Kooperationsprojekt „hoffen bis zuletzt“ ins Leben gerufen, das den Betroffenen Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe anbot. Im ersten Jahr nach dem Tsunami fanden über 30 Angehörigentreffen in vielen Regionen Deutschlands statt. An ihnen nahmen neben Psychologen, Notfallseelsorgern und Mitgliedern der DRK-Kriseninterventionsteams auch Fachleute der Identifizierungskommission und von Versicherungen und Behörden teil. Vielfach bestehen die Netzwerke der Tsunami-Nachsorge bis heute.
Insbesondere die Gestaltung des ersten Jahrestages der Katastrophe an Weihnachten 2005 in Thailand zeigte, dass die behutsame und begleitete Konfrontation mit dem Ort der Katastrophe für Hinterbliebene, Vermissende und Überlebende eine bedeutsame Chance für die Verarbeitung der Erlebten bietet. Deutlich wurde aber auch, dass bei vielen Betroffenen einer Katastrophe die Bewältigung des Erlebten einen viele Jahre dauernden Prozess benötigt.
Im Rahmen der Nachsorge und Trauerbegleitung konnten Mitarbeitende des Projektes „hoffen bis zuletzt“ an den Tsunami-Jahrestagen 2005, 2006 und 2008 Gedenkfeiern gestalten und seelsorgerliche Begleitung in Thailand anbieten. Aus diesen Erfahrungen kann jetzt die Nachsorge an deutschen Angehörigen von Opfern des Air-France-Absturzes vom 1. Juni aufgebaut werden, die mit der Gedenkfeier am 13. Juni in Düsseldorf und einem Angehörigentreffen gerade angelaufen ist.

Vortragender:
Pfarrer PD Dr. theol. Uwe Rieske, geb. 1961 in Lübeck, studierte in Bethel, Bonn und Hamburg Ev. Theologie. Er wurde 1993 an der Universität Hamburg mit einer Arbeit über Verhältnisbestimmungen von Religion und Politik im Luthertum des 19. Jahrhunderts promoviert und 1997 als Kirchenhistoriker habilitiert. Nach Lehrtätigkeiten an der RWTH Aachen, an der Universität zu Köln sowie den Universitäten Gießen, Frankfurt und Siegen ist er seit 2008 Privatdozent an der Universität Bonn. Er arbeitete von 2000-2001 als ev. Pfarrer in der Kirchengemeinde Aachen und koordinierte 2005/2006 das Tsunami-Nachsorgeprojekt „hoffen bis zuletzt“. Er war mehrfach in Thailand und ist weiterhin in der Nachsorge an deutschen Hinterbliebenen von Tsunami-Opfern und Betroffenen der Katastrophe engagiert. Seit 2005 ist er Pfarrer im Kirchenkreis Bonn und unterrichtet das Fach Ev. Religion an einem Bonner Mädchengymnasium. Zudem arbeitet er für das Rundfunkreferat der Ev. Kirche beim WDR und den Verlag Bergmoser und Höller.


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