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Prof. Dr. Michael Schulz

RV SoSe09 Michael Schulz

Montag, 20. April 2009
19:30 - 21:00 Uhr
HS 4, Hauptgebäude der Universität Bonn

Thema:
Katastrophen als Anklage. Wie bekommt Gott einen gnädigen Menschen?
Überlegungen zur Theodizee und Anthropodizee


Martin Luther quälte die Frage nach einem gnädigen Gott angesichts der eigenen Unvollkommenheit und Sünde. Angesichts von Katastrophen und Leid, die einen allmächtigen und gütigen Gott in Frage zu stellen scheinen, ihn anklagen und verklagen, ist Luthers Frage zur Gottes-Frage geworden: Wie bekommt Gott einen gnädigen Menschen, der ihn noch den Gott dieser von Leid entstellten Welt sein lässt? Der gnädige Mensch, der Gottes Dasein rechtfertigt, ist aber aus christlicher Sicht der Mensch, der von Gott gerechtfertigt wurde. Denn das Böse, dem sich der Mensch öffnet, macht ihn nicht nur zum Sünder, sondern auch zu dem Ort, an dem sich der Sinn der Schöpfung verrätselt; deshalb bleibt jede Theodizee ohne eine Chance. Es wird nicht mehr erfahrbar, was Paulus weiß: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles [!] zum Guten führt.“ (Röm 8,28) Aus diesem Grund ist zuerst eine theologische Anthropodizee gefordert, d.h. eine Rechtfertigung des gottentfremdeten Menschen durch die Gnade des Gekreuzigten. Der gnädige Gott ermöglicht den gnädigen Menschen, dessen Notfallseelsorge und vom Glauben geformte Liebe. Der kraft der rechtfertigenden Gnade mitleidende, Not lindernde und sozial tätige Mensch wird so zur lebendigen Theodizee.

Vortragender:
Prof. Dr. Michael Schulz ist Professor für Dogmatik an der Bonner Kath.-Theol. Fakultät und Mitglied des Zentrum für Religion und Gesellschaft (ZERG). Seine Forschungs- und Interessenschwerpunkte bilden u.a.: Trinitätstheologie und -philosophie, Wahrheitsanspruch des Christentums und Religionspluralismus in der Postmoderne, Ur- und Erbsünde.

Schulz und Kinzig


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