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Prof. Dr. Karoline Noack

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Dienstag, 15. Januar 2013
19:30 - 21:00 Uhr
Hörsaal XV, Hauptgebäude der Universität Bonn

Thema:
Das "dritte Geschlecht" und religiöses Wissen in den Amerikas

Zu den ersten Themen, die die spanischen Augenzeugen und Chronisten nach der Eroberung der Amerikas im 16. Jahrhundert aufzeichneten, gehörte neben Kannibalismus und Menschenopfer auch „Homosexualität“. Indianische „Homosexuelle“ wurden in den ersten US-amerikanischen ethnologischen Studien im 19. Jahrhundert unter dem Begriff der „Berdache“ als „cross-dressing people“ beschrieben, denen ein besonderes rituelles Wissen nachgesagt wurde. Die seit Beginn der Kolonialisierung beobachtete und beschriebene pan-amerikanische Verbreitung von fast ausschließlich männlicher Homosexualität und Bisexualität hat bis heute zu Debatten geführt, die in starkem Maße von europäischen Vorannahmen und Wunschdenken in Bezug auf Sexualität geprägt sind. Dazu zählen auch Vorstellungen von einem „dritten Geschlecht“ in „fremden Kulturen“. In dem Vortrag werden diese Geschlechterkonstruktionen in Bezug auf Nord- und Südamerika vergleichend nachvollzogen. Es wird danach gefragt, inwieweit es eine ethnologische kollaborative Forschung vermag, neue Möglichkeiten der Interpretation „fremder“ Geschlechterkonstruktionen und Sexualität aufzuzeigen.


Vortragende:
Prof. Dr. Karoline Noack

Prof. Dr. Karoline Noack lehrt seit 2009 als Professorin für Altamerikanistik und Ethnologie an der Universität Bonn. Ihre Forschungsinteressen sind transkulturelle und transkontinentale Prozesse und Geschlechterforschung in den Andenländern und in Mexiko, visuelle Anthropologie und das „Wissensarchiv“ Museum.

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