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Zwei feindliche Brüder? (WiSe 16/17)

Zum Spannungsfeld von Kunst und Religion – Studierende und Experten aus Wissenschaft und Kunstbetrieb im Gespräch. Eine Zusammenarbeit des „Zentrum für Religion und Gesellschaft“ (ZERG) und des Kunstmuseums Bonn.

Nach der erfolgreichen Theater-Kooperation in der Spielzeit 2015/2016 arbeitet das interdisziplinäre und interfakultäre Zentrum für Religion und Gesellschaft (ZERG) der Universität Bonn im WS 2016/17 eng mit dem Kunstmuseum der Stadt Bonn zusammen. Inhaltlich soll im Seminar das Verhältnis von Kunst und Religion beleuchtet werden: Was kann bildende Kunst in den gesellschaftlichen Diskurs im postsäkularen Zeitalter um Glaubensfragen einbringen? Diskutiert wird so auch die Bedeutung des Glaubens in der heutigen Zeit.

In den Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders geht der Mitbegründer der deutschen Romantik, Wilhelm Heinrich Wackenroder davon aus, dass in der bildenden Kunst nichts als „die andere Sprache Gottes“ offenbar werde. Das mag für die typisch romantische Kunstfrömmigkeit zwar noch einleuchtend erscheinen, doch wie verhält es sich angesichts (teilweise) abstrakter, zeitgenössischer bildender Kunst – wie in Malerei, Collage, Fotografie, Skulptur und Installation?
Tatsächlich wird sich in dieser Veranstaltung gerade nicht (nur) mit klassischer christlicher oder überhaupt sakraler Kunst auseinandergesetzt, sondern sich auch der Herausforderung gestellt, moderne bildende Kunst (z.B. Künstler wie Gerhard Richter, Andreas Gursky oder Sigmar Polke) auf transzendente Konnotationen hin zu untersuchen. Wir werden somit weniger die Madonnen Raffaels, die Bibelszenen Caravaggios oder die pantheistischen Lobpreisungen der Schöpfung eines Caspar David Friedrichs betrachten, sondern uns vor allem zeitgenössischen Werken zuwenden. Kann man diese abstrakten, manchmal kontroversen Ausdrucksweisen, die sperrig anmutenden Konzeptionen moderner Kunst ebenso wie die Religion als Medium der Welterklärung, der Wirklichkeit und des Glaubens begreifen? Laden bildende Kunst und Religion vielleicht zu einer komplementären Art des Sehens, Entdeckens und Begreifens ein? Oder bilden sich durch das Aufscheinen des Religiösen in der Postmoderne gar heilige oder auch unheilige Allianzen?

Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen werden mit dem Besuch dieses Seminars die Möglichkeit bekommen, in direkten Kontakt mit Experten und Expertinnen aus Kunst und Wissenschaft zu treten und die direkt vor dem Exponat aufgeworfenen Fragen zum Verhältnis von Religion und bildender Kunst zu vertiefen.

Diese Veranstaltung wird in regelmäßigen Sitzungen stattfinden und Seminarsitzungen in Universität, weiteren Kunststätten und im Kunstmuseum vor Ort beinhalten, aber auch entsprechende Vor- und Nachbereitungen (bspw. Referate, Plenumsgespräche). Darüber hinaus wird es eine verpflichtende Exkursion geben, für die aber zwei andere reguläre Termine ausfallen. Jede Sitzung wird zusätzlich durch wechselnde Experten mit begleitet werden.

Das Seminar ist für Studierende der beiden Theologischen Fakultäten wie auch der Philosophischen Fakultät geöffnet. Darüber hinaus ist es Grundlage für das Projektseminar M23 E (4LP), das Studierende vertiefend besuchen können. Für dieses Projektseminar ist eine Schreibwerkstatt angedacht, in dem die Teilnehmenden Gelegenheit haben werden ihre im Seminar gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse zu verarbeiten. Eine Publikation wird angestrebt – es können aber auch andere mit der Thematik zusammenhängende Ideen und Wünsche geäußert und gemeinsam mit der Leiterin des Projektseminars, Frau Andrea Osten-Hoschek, erarbeitet werden.

Das Kunstmuseum Bonn gehört zu den großen, bundesweit beachteten Museen für Gegenwartskunst. Sein 1992 eröffneter, von dem Berliner Architekten Axel Schultes entworfener Neubau zählt deutschlandweit zu den wichtigsten Museumsbauten der letzten Jahrzehnte.
 

Termine:

 
Beginn: 19.10.16, dann jeweils mittwochs, 16 - 18 Uhr c.t., Raum 2.015 (Katholisch-Theologische Fakultät), Universitätshauptgebäude.
 

Modulbeauftragter: Prof. Dr. Albert Gerhards
Durchführung: Charlotte Loesch, Andrea Osten-Hoschek (Universität Bonn) und Dr. Christoph Schreier (Stellv. Direktor Kunstmuseum Bonn) sowie wechselnde Referenten aus dem Wissenschafts- und Kunstbetrieb.
 
Bei Fragen zum Seminar melden Sie sich bitte bei Charlotte Loesch (loesch@zerg.uni-bonn.de)

 

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